Brauchtum – Brüche
Genauso wie das Jagdhorn früher, dienten auch die einzelnen Brüche zur Kommunikation unter Jägern. Einst wurden diese von der Berufsjägerei eingeführt, heute sind sie Bestandteil des jagdlichen Brauchtums.
Aber was bedeutet überhaupt Bruch?
Für einen Bruch wird das Ende eines Astes mit der Hand abgebrochen. Daher wird dieser nicht geschnitten, abgezwickt oder gesägt.
Verwendet werden dafür nur Äste „bruchgerechter“ Baumarten. Diese sind vorwiegend Fichte, Tanne, Eiche, Erle, Kiefer, Latsche, Zirbe, Bergwacholder und Almrausch
Unter Umständen orientiert man sich am jeweiligen Lebensraum des erlegten Wildes. So kann man in reinen Lärchen- oder Buchenwäldern auch diese Baumarten für Brüche hernehmen. Genauso wäre eine Ähre des Getreides in einem reinen Feldrevier nicht verwerflich.
Wann und wofür werden Brüche verwendet?
Es eine Vielzahl von Möglichkeiten, wo Brüche zur Anwendung kommen. Grundsätzlich kann man diese in drei Gruppen teilen. Es gibt Brüche, die der Jäger/die Jägerin am Hut trägt, die am erlegten Wild zur Anwendung kommen und welche, die zur Kommunikation bzw. als Hinweise dienen.
1. Brüche für Jäger/innen
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Beutebruch
Der Beutebruch wird rechts (von der Person aus) am Hut getragen.
Ein Jäger/eine Jägerin trägt diesen für bruchwürdiges, erlegtes Wild.
Dazu zählen:
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alles Schalenwild
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eher selten zur Strecke kommendes Wild; z.B. Murmeltier, Auer- und Birkhahn, Haselhahn, Waldschnepfe
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Treibjagdfüchse
Hat der Jäger allein Beute gemacht, bricht er sich den Bruch selbst ab, benetzt ihn symbolisch mit dem Schweiß (Blut) und steckt ihn sich an den Hut.
Waren mehrere Jäger beteiligt, überreicht der Einladende, Pirschführer oder Jagdleiter den Bruch. Brauchtumsgemäß übergibt dieser ihn auf dem abgenommenen Hut.
Ein Beutebruch verbleibt 24 Stunden am Hut des Erlegers.
Werden mehrere bruchwürdige Stücke erlegt, wird trotzdem nur ein Beutebruch getragen.
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Standesbruch
Der Standesbruch wird auf der linken Hutseite getragen.
Dieser wird bei Veranstaltungen und Feierlichkeiten angesteckt.
So z.B. beim Bezirksjägertag, Jägerball, zu einer Jägerhochzeit, bei Hubertusmessen oder bei Jägerandachten. Auch zu Jägerbegräbnissen trägt man einen Standesbruch. Hierbei aber meist mit der matten Seite nach außen. Bei Begräbnissen wird der Standesbruch als „letzter Bruch“ zur Verabschiedung ins Grab geworfen.
2. Brüche beim erlegten Wild
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Inbesitznahmebruch
Der Inbesitznahmebruch wird auf das erlegte Wild und meist über den Ein- bzw. Ausschuss gelegt. Dies symbolisiert, dass dieses Stück vom Jäger bereits in Besitz genommen wurde.
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Letzter Bissen
Der Letzte Bissen wird dem erlegten Wild längst oder quer in den Äser, Wurf, Brocker, etc. gesteckt. Damit wird die Achtung des Jägers gegenüber dem Wild ausgedrückt, ebenso Versöhnung und Dankbarkeit.
3. Leitbrüche zur Verständigung
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Standortbruch
Er gibt den Standort des Schützen an, sofern es sich beim Standort nicht um einen markanten Punkt handelt, wie z.B. einen Hochstand.
große Brüche verwenden
in die Erde stecken
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Anschussbruch
Dieser kennzeichnet den Standort des Wildes beim Quittieren der Kugel bzw. markiert die am Anschuss gefundenen Birschzeichen (Schweiß, Grannen, Haare, Borsten, Knoche, Organteile,…)
große Brüche verwenden
in die Erde stecken; Birschzeichen abdecken und so vor Witterung schützen
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Fährtenbruch
Er kennzeichnet die Fluchtrichtung des Wildes zur Nachsuche.
große Brüche verwenden
mit der gebrochenen Seite die Fluchtrichtung deuten
Es gibt auch die Möglichkeit, bei männlichen Stücken die gebrochene Seite und bei weiblichen Stücken die gewachsene Spitze in Fluchtrichtung zu legen.
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Warnbruch
Ein Warnbruch wird von einem Jäger/einer Jägerin verwendet, um andere Jäger zu vor etwas zu warnen; z.B. vor einer kaputten Hochstandleiter.
Es gäbe noch einige Brüche mehr, welche aber heutzutage kaum mehr zur Verwendung kommen.
z.B. der Bruch für die Sammelstelle bei Gesellschaftsjagden.